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Experten-Talk #14: Barcamp mit Jan Theofel

Im All­tag über­flu­ten uns Infor­ma­tio­nen. Gleich­zei­tig haben wir uns mehr und mehr dar­an gewöhnt, aus die­sem Über­an­ge­bot nur mög­lichst rele­van­te und auf uns zuge­schnit­te­ne Infor­ma­ti­on zu erhal­ten. Das stellt Ver­an­stal­tungs­pla­ner vor zwei Her­aus­for­de­run­gen. Zum einen: Wie ver­mitt­le ich mei­nen Teil­neh­mern Infor­ma­tio­nen so, dass sie die­se als rele­vant, inter­es­sant und span­nend emp­fin­den? Und zum ande­ren: Wie locke ich Teil­neh­mer aus ihrer pas­si­ven Kon­su­men­ten­rol­le her­aus, damit das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ziel mei­ner Ver­an­stal­tung mög­lichst aktiv und nach­hal­tig ange­nom­men wird?
Zu die­ser Fra­ge habe ich die­sen Monat Jan Theo­fel, Deutsch­lands ers­ten haupt­be­ruf­li­chen Bar­camp-Mode­ra­tor zu mir auf die Impulspiloten Couch eingeladen.

Jan Theo­fel ist seit 2008 als Bar­camp-Mode­ra­tor und ‑Orga­ni­sa­tor im Ein­satz. Im Video-Inter­view wei­ter unten erklärt er wie es geht und vor allem, wel­che Vor­tei­le ein Bar­camp für die Teil­neh­mer hat.

WAS GENAU IST EIN BARCAMP?

Bar­camps ent­stan­den aus den Foo­camps des Ver­le­gers Tim O‘Reilly („Foo“ = Friends of O‘Reilly). Die­ses For­mat, ent­stan­den aus dem Expe­ri­ment einer inno­va­ti­ven Un-kon­fe­renz, woll­ten eini­ge Teil­neh­mer allen zugäng­lich machen und ent­wi­ckel­ten die Idee des Bar­camps. Dabei han­delt es sich um ein Wort­spiel, da „Foo“ und „Bar“ im IT-Umfeld weit ver­brei­te­te Platz­hal­ter sind. So wur­de aus dem „Foo­camp“ das „Bar­camp“.

Ein Bar­camp unter­schei­det sich deut­lich von klas­si­schen Kon­fe­ren­zen. Auf Bar­camps gibt es kei­ne gebuch­ten Refe­ren­ten, son­dern nur Teil­neh­mer, die gemein­sam und gleich­be­rech­tigt die The­men des Tages vor­schla­gen, ent­wi­ckeln und auch die Ver­ant­wor­tung dafür über­neh­men. Es ist damit das ein­zi­ge For­mat, bei dem die Teil­neh­mer zen­tral im Mit­tel­punkt ste­hen und gemein­sam auf Augen­hö­he in einen inten­si­ven Wis­sens­aus­tausch gehen.

WIE FUNKTIONIERT EIN BARCAMP?

Grund­la­ge für ein Bar­camp ist eine grö­ße­re Grup­pe ab 30 bis zu 300 Teil­neh­mern. Die Teil­neh­mer soll­ten ein zen­tra­les The­ma haben, zu dem sie sich aus­tau­schen möchten.

Im Vor­feld eines Bar­camps ist es rat­sam, die Teil­neh­mer dar­auf vor­zu­be­rei­ten, was auf sie zukommt. Der Ablauf ent­steht spon­tan vor Ort, aber es ist gut, dass jeder vor­ab Gele­gen­heit hat, sich mit den für ihn/sie rele­van­ten The­men aus­ein­an­der zu set­zen und die Teil­neh­mer vor Ort bereist wissen:

  • Wel­che Fra­gen brin­ge ich mit?
  • Was will ich vorstellen?
  • Was will ich diskutieren?

VORSTELLUNGSRUNDE

Auch bei einer gro­ßen Grup­pe von Teil­neh­mern ist es mög­lich und sinn­voll, eine Vor­stel­lungs­run­de anzu­set­zen. Wenn sich jeder Teil­neh­mer mit nur drei Schlag­wor­ten vor­stellt baut das Brü­cken, die den anony­men Teil­neh­mer zum Men­schen machen, indem man den glei­chen Fuß­ball­ver­ein nennt, Kin­der hat oder das glei­che Hob­by ausübt.

ERMUTIGUNG

Ein guter Bar­camp-Mode­ra­tor schafft es, die Teil­neh­mer früh zu ermu­ti­gen, sich zu betei­li­gen. Nimmt die Angst davor, dass man Feh­ler machen könn­te und ani­miert zum Fra­gen­stel­len und Neu­gie­rig sein.

THEMENPLANUNG

Die Angst von Ver­an­stal­tern, es könn­ten nicht genü­gend The­men zusam­men kom­men ist unbe­grün­det. Die Erfah­rung zeigt, dass meis­tens gar nicht alle genann­ten The­men behan­delt wer­den kön­nen. In der so genann­ten Ses­si­onpla­nung kün­digt dann der Mode­ra­tor nach Durch­sicht aller ein­ge­gan­ge­nen The­men­vor­schlä­ge Vor­trä­ge an, ver­ein­bart Dis­kus­sio­nen und bie­tet Work­shops an. So ent­wi­ckelt sich ein viel­sei­ti­ges Pro­gramm, das ganz den Wün­schen der Teil­neh­mer entspricht.

Grund­re­gel eines Bar­camps: Wer ein The­ma ein­bringt, trägt auch die Ver­ant­wor­tung dafür, dass er die Ergeb­nis­se doku­men­tiert und im Anschluss wei­ter in das Unter­neh­men trägt.
Dabei setzt das For­mat Bar­camp auf die intrinsi­sche Moti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ter. Schluss­fol­ge­rung: Wen ein The­ma so sehr inter­es­siert, dass er es vor­stellt, der hat auch Lust im Anschluss wei­ter dar­an zu arbeiten.

Jede Ses­si­on geht 45 Minu­ten. Soll­ten die Teil­neh­mer in die­ser Zeit kein Ergeb­nis erzie­len, wird das The­ma wäh­rend der Arbeits­zeit im Unter­neh­men wei­ter­ent­wi­ckelt und die Ergeb­nis­se dann zum nächs­ten Bar­camp in 4–6 Mona­te wie­der vorgestellt.

ABSCHLUSS EINES BARCAMPS

Am Ende eines Bar­camps fin­det ein gemein­sa­mes Wrap-Up im Ple­num statt.

  • Wie war es für die Teilnehmer?
  • Was neh­men sie mit?
  • Was soll umge­setzt werden?
  • Was gibt es für gene­rel­les Feedback?

WER SOLLTE EIN BARCAMP MODERIEREN?

Vie­les spricht schon auf Grund der Struk­tur eines Bar­camps bei der Mode­ra­ti­on für einen exter­nen Mode­ra­tor. Im Gegen­satz zu einem inter­nen Mit­ar­bei­ter oder sogar dem Geschäfts­füh­rer hat der exter­ne Mode­ra­tor auto­ma­tisch eine grö­ße­re Neu­tra­li­tät den Teil­neh­mer gegen­über, weil er ihre Posi­tio­nen im Unter­neh­men gar nicht kennt. Gera­de im Hin­blick auf den Grund­satz des Bar­camps: „Alle begeg­nen sich aus Augen­hö­he“ ist das auf jeden Fall ein Vor­teil. Dar­über hin­aus besitzt ein exter­ner Mode­ra­tor kei­ne Prä­fe­renz für ein bestimm­tes The­ma. Sein Fokus liegt auf der Koor­di­na­ti­on und wert­frei­en Struk­tu­rie­rung der Themensammlung.

JAN THEOFELS 6 WICHTIGSTEN REGELN FÜR EIN ERFOLGREICHES BARCAMP

  1. Die Teil­neh­mer ste­hen im Mit­tel­punkt, es ist ihr Bar­camp, unab­hän­gig vom Ziel des Veranstalters
  2. Die Teil­neh­mer bestim­men alle Inhal­te vor Ort selbst.
  3. Alle inter­es­sier­ten aus einer Ziel­grup­pe dür­fen teilnehmen
    (dabei macht es kei­nen Unter­schied, ob man Azu­bi oder Geschäfts­füh­rer ist)
  4. Die Inhal­te sol­len über das Bar­camp hin­aus wei­ter­ge­tra­gen werden.
  5. Wer­te kön­nen nur durch Vor­le­ben ver­mit­telt werden
  6. Nach Mög­lich­keit einen exter­nen Mode­ra­tor einsetzen

Ihr wollt noch mehr Hin­ter­grün­de? Infos zum Plei­ten Pech und Pan­nen-Poten­ti­al eines Bar­camps? Oder seid neu­gie­rig, war­um Ralf als Mode­ra­tor auf der Büh­ne einen Sockel berei­tet und Jan Theo­fel ihn zerstört?

Schaut ger­ne in das aus­führ­li­che Video­in­ter­view rein.

Bis dahin – bleibt flexibel

Euer Ralf

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