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Eventdramaturgie Teil II: 5 Tabus für Veranstaltungen

FÜNF MAL FLOP:
DIE KNOCKOUT-FAKTOREN

Es gibt auf Ver­an­stal­tun­gen Ele­men­te, die wir­ken auf Teil­neh­mer wie ein rotes Tuch. Zum Bei­spiel das „Schon-immer-Dage­we­se­ne“. Oft öff­nen Orga­ni­sa­to­ren bekann­te Schub­la­den, weil sie es in der Ver­gan­gen­heit eben immer so gemacht haben und dadurch der pla­ne­ri­sche, krea­ti­ve und logis­ti­sche Auf­wand ihrer Ver­an­stal­tung kal­ku­lier­ba­rer erscheint. Bei den Teil­neh­mern stellt sich jedoch ein nega­ti­ver Lern­ef­fekt ein: Wer auf einer Ver­an­stal­tung alles nach Sche­ma F vor­be­rei­tet fin­det, weiß aus der Erfah­rung, wor­auf er sich die nächs­ten Stun­den oder sogar Tage ein­lässt – und wird aus rei­nem Selbst­schutz schon ein­mal müde. Bei die­sen fünf Ver­an­stal­tungs-Tabus soll­ten bei Dir Dei­ne Alarm­glo­cken klingeln:

TABU 1: REDEN, REDEN, REDEN.

Du sitzt im Publi­kum und siehst ein Red­ner­pult auf der Büh­ne. Dein Puls wird bei die­sem Anblick ver­mut­lich nicht unbe­dingt schnel­ler. Denn das hat jeder ver­in­ner­licht: Ein Red­ner­pult ist das ulti­ma­ti­ve Sym­bol für den Fron­tal­un­ter­richt, den kei­ner von uns mag. Bei Fron­tal­be­schal­lung ist sofort klar, dass der Zuschau­er eine pas­si­ve Rol­le ein­nimmt, sich zurück­lehnt und nach einer mehr oder min­der lan­gen Zeit auf Durch­zug stellt. Dar­um: Komm weg von der ein­sei­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on. Dei­ne Wor­te wer­den den Weg nicht von der Büh­ne run­ter ins Publi­kum schaf­fen. Kom­mu­ni­ka­ti­on lebt davon, dass sie in bei­de Rich­tun­gen läuft. Sen­der und Emp­fän­ger wech­seln sich in ihrer Rol­le ab. Die­se wech­sel­sei­ti­ge Dyna­mik macht eine Kom­mu­ni­ka­ti­on erst lebendig.

Um mit dem Publi­kum auf eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Ebe­ne zu kom­men, gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten: For­de­re bei klei­ne­ren Grup­pen Rück­mel­dun­gen, Erfah­run­gen, Kom­men­ta­re aktiv ein. Füh­re bei grö­ße­ren Grup­pen Mei­nungs­ab­fra­gen mit ein­fa­chen Apps oder Platt­form­lö­sun­gen durch. Und zei­ge dann die Ergeb­nis­se als Cloud an oder inte­grie­re sie sofort in die Prä­sen­ta­ti­on. Auf jeden Fall: Mei­de die Rede hin­ter einem Pult. Akti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Zuhö­rern durch­bricht das star­re Mus­ter von Sen­der auf der Büh­ne und pas­si­vem Emp­fän­ger im Ple­num und holt zum Mit­den­ken und Mit­ma­chen ab.

TABU 2: PARLAMENTARISCHE BESTUHLUNG.

Stuhl-und Tisch­rei­hen sind der Tod jeder Inter­ak­ti­on. Mehr Distanz als durch sol­che Demar­ka­ti­ons­li­ni­en kannst Du gar nicht zwi­schen Dich und den Teil­neh­men­den auf­bau­en. Steht jetzt noch das obli­ga­to­ri­sche Red­ner­pult auf der Büh­ne, ist die Schul­stun­de perfekt.

Pro­bie­re es doch ein­mal mit einer Mit­tel­büh­ne. Die Dyna­mik des Büh­nen­ge­sche­hens wird gleich eine ande­re. Oder lass Dei­ne Tagung auf einem Indoor-Vol­ley­ball­feld in Lie­ge­stüh­len statt­fin­den. Oder … oder … Es gibt so vie­le Alter­na­ti­ven, um die Auf­merk­sam­keit der Gäs­te zu wecken und zu signa­li­sie­ren: Die­ser Tag wird anders!

TABU 3: NUR LAIEN ON STAGE.

Jeder kann Haa­re schnei­den. Aber wür­dest Du das auch bei Dir sel­ber tun? Ver­mut­lich bevor­zugst Du ein pas­sa­bles Ergeb­nis auf Dei­nem Kopf und enga­gierst dafür lie­ber einen Pro­fi. Ähn­lich funk­tio­niert es mit Lai­en auf der Büh­ne. Die unge­wohn­te Situa­ti­on im Ram­pen­licht, das Prä­sen­tie­ren von Infor­ma­tio­nen und die Funk­ti­on des Gast­ge­bers für alle Betei­lig­ten auf der Büh­ne kann eine Her­aus­for­de­rung sein. Eigent­lich kann es jeder machen, aber ob dabei ein gutes Ergeb­nis her­aus­kommt, ist eine ande­re Sache. Eine gute Mode­ra­ti­on wirft einen pro­fes­sio­nel­len Blick von außen auf die The­men der Ver­an­stal­tung. Ver­traue dar­auf: Der oder die Exter­ne besitzt die Fähig­keit, sich in das Fach­ge­biet ein­zu­ar­bei­ten. Und vor allem traut der Pro­fi sich, die rich­ti­gen Fra­gen zu stellen.
Ein unschlag­ba­rer Vor­teil: Ein/e Moderator/in fühlt sich wohl auf der Büh­ne und sorgt mit Erfah­rung und Gelas­sen­heit dafür, dass es den Gäs­ten eben­so geht, dass sie sich auf der Ver­an­stal­tung wohl­füh­len. Die Alter­na­ti­ve: Wenn Du Dei­ne Ver­an­stal­tung nicht kom­plett in frem­de Hän­de geben möch­test, las­se einen Pro­fi gemein­sam mit einem Lai­en auftreten.

TABU 4: DEATH BY POWERPOINT.

Wenn es irgend­wie mach­bar ist – ver­mei­de Power­Point- Prä­sen­ta­tio­nen! Sol­che Prä­sen­ta­tio­nen ver­ei­nen klas­sisch alle Punk­te, die eine gute Ver­an­stal­tungs­dra­ma­tur­gie ver­mei­den will: Rou­ti­ne, ein­sei­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on und Lai­en auf der Büh­ne. Beson­ders schwie­rig: Exper­ten ohne Büh­nen­er­fah­rung nei­gen dazu, mit Infor­ma­tio­nen zu über­for­dern, zu lang zu spre­chen und zu wenig visu­ell aufzubereiten.
Was wären die Alter­na­ti­ven? Inter­viewe Dei­nen Exper­ten doch ein­mal auf der Büh­ne. Visua­li­sie­re mit einem Gra­phic Record­ing. Prä­sen­tie­re eine musi­ka­li­sche Zusam­men­fas­sung. Die Mög­lich­kei­ten sind viel­fäl­tig und bunt.
Und wenn Du Power­Point nicht los­wer­den kannst? Dann ver­su­che die Prä­sen­ta­tio­nen auf­zu­lo­ckern. Wäh­le unge­wöhn­li­che Bil­der, ver­wen­de Humor oder krea­ti­ve Power­Point-Kon­zep­te wie Pecha Kucha.
Pecha Kucha heißt: 20 Foli­en, die jeweils 20 Sekun­den ein­ge­blen­det wer­den. Die Gesamt­zeit von 6 Minu­ten und 40 Sekun­den ist damit auch die maxi­ma­le Sprech­zeit – und durch den kur­zen Wech­sel der Bil­der müs­sen die Foli­en visu­ell schnell erfass­bar gestal­tet werden.

TABU 5: 98 PROZENT MÄNNER.

Die­ses Ver­an­stal­tungs-Tabu könn­te eben­so gut „98 Pro­zent Frau­en“’ hei­ßen. Ver­an­stal­tun­gen, die von einem Geschlecht domi­niert wer­den, haben eine ande­re Atmo­sphä­re als Ver­an­stal­tun­gen mit einem hete­ro­ge­nen Publi­kum. Je nach Bran­che sind bestimm­te Abtei­lun­gen häu­fig noch nach Geschlech­tern getrennt. Der Außen­dienst ist bei­spiels­wei­se männ­lich besetzt und der Innen­dienst eher weib­lich auf­ge­stellt. Gestal­te Ver­an­stal­tun­gen bewusst so, dass eine gute Mischung ent­steht – es kommt der all­ge­mei­nen Stim­mung zugute.

VERANSTALTUNGS-TABUS VERMEIDEN

Zusam­men­ge­fasst geht es bei einer guten Ver­an­stal­tungs­dra­ma­tur­gie immer dar­um, die Auf­merk­sam­keit des Publi­kums für sich zu gewin­nen. Erken­nen Dei­ne Gäs­te bekann­te Mus­ter, schal­ten sie auf Auto­pi­lot und der Trans­fer von Wis­sen wird unnö­tig erschwert. Daher gilt: Bre­che Rou­ti­nen und ver­fal­le nicht ein­fach in alte Mus­ter – nur weil sie ein­fach erschei­nen. Wecke Emo­tio­nen bei­spiels­wei­se durch Musik, Humor oder Inter­ak­ti­on. Ein fri­scher Wind in Dei­ner Ver­an­stal­tung muss damit nicht auto­ma­tisch auch viel Geld kos­ten. Du kannst die schlimms­ten Ver­an­stal­tungs-Tabus schon mit klei­ne Ände­run­gen im Event­ab­lauf ver­mei­den und so schon für eine gro­ße Wir­kung sorgen.
Im drit­ten, und letz­ten Teil mei­ner Mini­se­rie geben ich Dir 5 prak­ti­sche Tipps, wie Du Dei­ne Teil­neh­mer dra­ma­tur­gisch auf siche­re Wei­se abho­len wirst.
Bis dahin – bleibt flexibel

 

Euer Ralf Schmitt

 

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